Wenn die Bretter des Schneidertischs die Welt bedeuten

Als Wäscherin hat Gardi Hutter alias Hanna angefangen. Nun sind es die Bretter des Schneidertischs, die ihr die Welt bedeuten. Ein Blick durchs Knopfloch genügt: Erzählstoff gibt’s in Ballen. Sie müht sich mit dem Faden ab, der nicht durchs Nadelöhr will, näht und brabbelt, springt elastisch vom Tisch, hantiert mit übergroßen Fadenspulen und verschluckt eine lange Nadel. Es wird weder an Boshaftigkeit noch an Unglück gespart, denn Hanna soll sterben – und das will sie nicht. Fünf frei schwingende Schneiderpuppen hängen an einem Kleiderkarussell über ihr. Es dreht sich um die Endlichkeit des Seins und die Unendlichkeit des Spiels.

© Stephan Bundi
„Die Schneiderin“: Gardi Hutter