Als Hermann Hesse, seit 1924 wieder Schweizer, dem Chef der Schweizer Polizei, Heinrich Rothmund, 1938 das Versagen der Behörden in der Flüchtlingspolitik attestierte, keilte Rothmund zurück und hielt Hesse vor, dass er ein naturalisierter, aber kein gebürtiger Eidgenosse und seine Kritik somit unstatthaft sei. Dagegen machte 1945 Hans Habe, Chief Editor in der amerikanischen Zone, Hesse schwere Vorwürfe, dass man vergeblich auf eine »Stimme aus der Schweiz« gegen die Nazi-Barbarei gewartet habe. Thomas Mann schrieb daraufhin an Hesse, dass auch er damals in der neutralen Schweiz den Mund halten musste und sein Herz erst in Amerika waschen konnte. Welchen Handlungsspielraum hatte also der deutsche Autor, der Schweizer Hermann Hesse während des »Dritten Reichs«?

Darüber diskutiert Markus Bernauer (BBAW / TU Berlin) mit Lukas Bärfuss, einem der politisch wachsten Autoren seiner Generation, dessen jüngster Roman »Hagard« im vergangenen Frühjahr erschienen ist.

Pro Helvetia
27.02.2018
20:00
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